Pornografie und Digitalisierung im Versicherungsmarkt

Mit der Digitalisierung der Prozesse haben die meisten (wirklich alle?) inzwischen zumindest begonnen – hier würden selbst die hartleibigsten Gegner des Fortschritts sich öffentlich nicht trauen, ernsthaft etwas dagegen zu sagen. Die Arbeit ist alles andere als trivial – die Aufgabe selbst allerdings recht klar definierbar.

Was aber ist mit den anderen Fragen zum Fortschritt?  

Zum Beispiel mit der Frage nach einer Produktgestaltung, in der die neuen technischen Möglichkeiten einmal so umgesetzt werden, dass für die Kunden ein nachvollziehbarer und relevanter Nutzen entsteht (und nicht nur so, dass der eine oder andere Aktuar oder BAV-Experte mit der Zunge schnalzt)?

Oder mit der Frage nach einer echten „Customer Centricity“ im Kundendialog? Einem Dialog, der nicht nur darin besteht, alles, was technisch machbar ist, auf einen Haufen zu werfen, das dann für künstliche Intelligenz ausgibt und dann hofft, dass der Bot und der Skype-Chat schon irgendwen allein dadurch begeistern, dass sie überhaupt da sind.

Ganz zu schweigen von den Fragen, die sich aus der Datenverfügbarkeit und den Möglichkeiten, die eine entsprechende Analytik bei der Datennutzungeröffnet. Hier geht es ehr um Ethik und Moral als um Technik. Ist es – gerade für einen Versicherer – wünschenswert, so viel über seine Kunden zu wissen, dass er „schlechte Risiken“ konsequent ausschließen kann? Technisch wäre das zum Teil schon heute kein großes Problem. Tatsächlich wird sich die Frage über kurz oder lang stellen. Spätestens, wenn sich Google oder Amazon (oder Player, deren Namen heute noch auf keiner Liste stehen) entschließen, das Thema „Versicherung“ einmal ernsthaft zu betreiben, wird es soweit sein. Und die Frage ist hier nicht „ob“, sondern „wann“ es soweit sein wird.

Ist gerade es gerade an diesem Punkt nicht an der Zeit, dass wir ganz bewusst einen Schritt zurück wagen? Zurück zu dem was eine Versicherung eigentlich ist: eine Gemeinschaft! Und zwar eine Gemeinschaft, die Platz für alle bietet – oder zumindest für viele. Die nicht auf Elite sondern auf gemeinsamen Werten gründet. Eine, die alle vorhandenen technischen Möglichkeiten so nutzt, dass sie nicht zum Ausschluss potentiell „schlechter Risiken“ führt.

Wäre es nicht einer der wenigen Wege – wenn nicht der einzige Weg – gegen die versicherungsfremden „Disruptoren“ zu bestehen? Indem wir uns auf genau diese DNA der Versicherung besinnen: Wir bieten etwas Großartiges. Nämlich Schutz und Sicherheit; Grundbedürfnisse des Menschen! Und wir schaffen das, indem wir eine Gemeinschaft bieten, die aus Menschen mit einem gleichen Bedürfnis besteht. Eine Gemeinschaft, die mutig und stark genug sein kann, das Bedürfnis über das Risiko zu stellen. 

Ich glaube, dass Versicherungen, die es schaffen, bei ihren Kunden (und Partnern!) diese Wahrnehmung zu wecken und diese Werte nachvollziehbar zu leben, eine Antwort geben können, deren Kraft weit über das hinausgeht, was die reine Konzentration auf die Möglichkeiten der Digitalisierung zu bieten in der Lage ist und sein wird.

Ach so – zum Thema „Pornografie“ hier ein interessanter Link.

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